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Donnerstag, 31. Oktober 2019
Wo wissenschaftlicher Diskurs wie Therapie klingt
ahc, 07:18h
[Krümel]
In ihrem Buch "Eine Leidenschaft für Spezifität: Innere Erfahrung in Literatur und Wissenschaft konfrontieren" (orig. „A passion for specificity: Confronting inner experience in literature and science“) verwenden Caracciolo und Hurlburt (2016) eine Gesprächsmethode, die versucht (1) die Merkmale geistiger Erfahrung (beim Lesen von Literatur) zu beschreiben und (2) zu bestimmen, wo sich Erfahrungen, die in der Literatur vermittelt werden, und Erfahrungen, die von wissenschaftlichen Methoden erfasst werden, begegnen könnten.
So schließen sie ihren Diskurs:
"Anstelle einer Schlussfolgerung
[....]
Das war’s? Du hörst hier einfach auf?
Hier, wie in den meisten Beziehungen, gibt es kein wirkliches Ende. Wir haben uns dem Dialog geöffnet, den Phänomenen unsere kompromisslose Aufmerksamkeit geschenkt und versucht, unsere Vorannahmen loszulassen, und wir haben jetzt innegehalten, um zu teilen, was geschehen ist. Es liegt an Ihnen, lieber Leser, zu bestimmen, inwieweit unsere Kämpfe mit Ihrer Erfahrung Resonanz erzeugen." (S. 316, Übers. ahc)
Ich fand dies eine überraschende Schlussfolgerung, weil dieser Satz auch genauso von einem Gestalttherapeuten oder Gestalttherapeutin hätte stammen können. Mit Laskowska (2017, S. 96) gesprochen würde ich höchstens noch hinzufügen: und "was davon Sie in Ihrem Alltag umsetzen möchten."
Caracciolo, M., & Hurlburt, R. T. (2016). A passion for specificity: Confronting inner experience in literature and science. Columbus: The Ohio State University Press.
Laskowska, B. (2017). Worte finden – Die Nöte einer Gestalttherapeutin [Finding words – A Gestalt therapist’s woes]. Gestalttherapie, 31(2), 75–97.
In ihrem Buch "Eine Leidenschaft für Spezifität: Innere Erfahrung in Literatur und Wissenschaft konfrontieren" (orig. „A passion for specificity: Confronting inner experience in literature and science“) verwenden Caracciolo und Hurlburt (2016) eine Gesprächsmethode, die versucht (1) die Merkmale geistiger Erfahrung (beim Lesen von Literatur) zu beschreiben und (2) zu bestimmen, wo sich Erfahrungen, die in der Literatur vermittelt werden, und Erfahrungen, die von wissenschaftlichen Methoden erfasst werden, begegnen könnten.
So schließen sie ihren Diskurs:
"Anstelle einer Schlussfolgerung
[....]
Das war’s? Du hörst hier einfach auf?
Hier, wie in den meisten Beziehungen, gibt es kein wirkliches Ende. Wir haben uns dem Dialog geöffnet, den Phänomenen unsere kompromisslose Aufmerksamkeit geschenkt und versucht, unsere Vorannahmen loszulassen, und wir haben jetzt innegehalten, um zu teilen, was geschehen ist. Es liegt an Ihnen, lieber Leser, zu bestimmen, inwieweit unsere Kämpfe mit Ihrer Erfahrung Resonanz erzeugen." (S. 316, Übers. ahc)
Ich fand dies eine überraschende Schlussfolgerung, weil dieser Satz auch genauso von einem Gestalttherapeuten oder Gestalttherapeutin hätte stammen können. Mit Laskowska (2017, S. 96) gesprochen würde ich höchstens noch hinzufügen: und "was davon Sie in Ihrem Alltag umsetzen möchten."
Caracciolo, M., & Hurlburt, R. T. (2016). A passion for specificity: Confronting inner experience in literature and science. Columbus: The Ohio State University Press.
Laskowska, B. (2017). Worte finden – Die Nöte einer Gestalttherapeutin [Finding words – A Gestalt therapist’s woes]. Gestalttherapie, 31(2), 75–97.
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Mittwoch, 30. Oktober 2019
Kann ich gleichzeitig bei mir und bei jemand anderem sein?
ahc, 10:11h
“[...] Eine Person kann sich zweier Szenen, Objekte oder Perzepte der gleichen Modalität in ein und demselben Moment nicht gleichzeitig bewusst sein (wie der Neckerkubus, Gestaltbilder wie die uneindeutige junge Frau/alte Frau Figur, und inkongruente Inputs in zwei Augen in Studien zur binokularen Rivalität zeigen). Genauso ist es auch mit Vergnügen und Missvergnügen. Bewusstes Erfahren kann sich mit hoher Geschwindigkeit verschieben (geschätzt auf ungefähr 100-150ms pro bewusstem Moment, Edelman & Tononi 2000, Gray 2004), so dass es einfach ist, sehr schnell zwischen alternativen Erfahrungen hin und herzuwechseln und beide Erfahrungen in einer gedächtnisbasierten Bewertung zusammenzufassen. Eigentlich findet solche Forschung, die das Zeitfenster momentaren Erlebens spezifisch begrenzt, keine dialektischen Repräsentationen, die zeitgleich an einzelnen Momenten existieren (Leu et al. 2006, Scollon et al. 2005, Yik 2006). Demzufolge ist es sehr unwahrscheinlich, dass Vergnügen und Missvergnügen in Echtzeit gleichzeitig auftreten, auch wenn Menschen die Inhalte des Erlebens schnell von einem Moment auf den anderen wechseln und dann den erlebten Inhalt zusammengefasst im Gedächtnis speichern können. Wie sonst auch, geht es letzten Endes wieder um die Präzision wissenschaftlicher Sprache, nämlich, was jemand in dem Satz ‚Menschen können (oder können eben nicht) zwei Dinge gleichzeitig fühlen.‘ mit ‚gleichzeitig‘ meint. Dasselbe Argument kann auch in Bezug auf emotionale Komplexität oder auf gleichzeitiges Fühlen von mehr als einer Emotion angeführt werden (Charles 2005).” (S. 378, Fußnote 5, Übers. ahc).
..und dementsprechend wahrscheinlich auch in Bezug auf “gleichzeitig bei mir und jemand anderen“ sein.
Aus: Barrett, L. F., Mesquita, B., Ochsner, K. N., & Gross, J. J. (2007). The experience of emotion. Annual Review of Psychology, 58, 373–403. https://doi.org/10.1146
..und dementsprechend wahrscheinlich auch in Bezug auf “gleichzeitig bei mir und jemand anderen“ sein.
Aus: Barrett, L. F., Mesquita, B., Ochsner, K. N., & Gross, J. J. (2007). The experience of emotion. Annual Review of Psychology, 58, 373–403. https://doi.org/10.1146
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Freitag, 23. August 2019
Unverfügbarkeit
ahc, 00:43h
"Indem wir Spätmodernen [...] auf die Verfügbarmachung von Welt zielen, begegnet uns die Welt stets als 'Aggressionspunkt' oder als Serie von Aggressionspunkten, das heißt von Objekten, die es zu wissen, zu erreichen, zu erobern, zu beherrschen oder zu nutzen gilt, und genau dadurch scheint sich uns das 'Leben', das, was die Erfahrung von Lebendigkeit und von Begegnung ausmacht - das, was Resonanz ermöglicht -, zu entziehen, was wiederum zu Angst Frust, Wut, ja Verzweiflung führt, die sich dann unter anderem in ohnmächtigem politischem Aggressionsverhalten niederschlagen."
Rosa, H. (2019). Unverfügbarkeit. Wien: Residenz Verlag.
Rosa, H. (2019). Unverfügbarkeit. Wien: Residenz Verlag.
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